Wandel
Wie gelingt es, die wachsende Weltbevölkerung gemäss den Bedürfnissen von Menschen und Natur zu ernähren? Niemand soll hungern, sich mangel- oder fehlernähren. Dafür müssen sich Produktion, Handel und Konsum von Lebensmitteln nachhaltig und fair verändern. Es braucht lokale Lösungen ebenso wie Veränderungen im weltweiten Ernährungssystem.
Alle Staaten müssten sich verpflichten, der Bevölkerung gesundes Essen zugänglich zu machen. Dafür dürften sie Land und Wasser nur schonend nutzen. Wenn weniger Lebensmittel auf dem Weg zu den Essenden verderben würden und wir alle weniger verschwendeten, wäre schon viel erreicht. Weltweit setzen sich Initiativen für ein nachhaltiges Ernährungssystem ein. Die Zeit für den Wandel ist da!

Das Ernährungssystem
An der Lebensmittelherstellung sind viele beteiligt: Sie ernten, produzieren, transportieren, lagern, verpacken, verarbeiten und verkaufen die Nahrungsmittel, bis wir sie zu Hause oder auswärts verzehren. Alle Aktivitäten rund um Lebensmittel lassen sich als Ernährungssystem begreifen. Dieses System bewegt sich im Rahmen, den Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Ökologie setzen. Dazu gehört auch, wie sich die Nahrungsproduktion auf die Umwelt auswirkt oder wie die Ernährung unsere Gesundheit beeinflusst. Vielerorts ist das Ernährungssystem in Gefahr. Schlechte Versorgung macht Menschen krank, Ressourcen werden knapp, das Klima verändert sich. Gleichzeitig ist das globale Ernährungssystem selbst ein Problem: Es stösst ein Drittel aller Treibhausgase aus.
Die ideale Ernährung
Wie ernähren wir uns gesund und umweltschonend? Laut der EAT-Lancet-Studie bekommt uns Menschen eine abwechslungsreiche, vorwiegend pflanzliche Kost, ergänzt mit Milchprodukten und wenig Fleisch oder Fisch. In vielen Regionen ist diese Ernährung bereits üblich. Doch eine weltweit gesündere Ernährung enthielte doppelt so viele Früchte, Gemüse und Nüsse, aber nur halb so viel Fleisch und Zucker. So liessen sich jährlich 11 Millionen Tote vermeiden.
Artenvielfalt
Die Landwirtschaft ernährt uns, aber die Vielfalt der Lebensformen erhält uns: Das Zusammenspiel von Pflanzen, Nutztieren, Wasserlebewesen, Bäumen, Mikroorganismen und wirbellosen Tieren ermöglicht erst die Produktion von Nahrungsmitteln. Darauf beruht die weltweite Ernährungssicherheit. Artenvielfalt ist ein Schlüssel gegen Hunger: Mischkulturen gewährleisten stabile Ernten und halten Schädlinge in Schach. Krankt eine Art, kann eine andere den Verlust ausgleichen. Das sichert die Versorgung und macht die Ernährung abwechslungsreicher. Mit fortschreitendem Klimawandel wird Artenvielfalt immer wichtiger, denn manche Arten können sich besser an neue Umweltbedingungen anpassen als andere. Dafür braucht es Lebensräume wie Wälder, Steppen oder Sümpfe, die der Mensch kaum nutzt. Denn der Klimawandel und die vorangegangene Übernutzung der Lebensgrundlagen verursachen das grosse Artensterben. Dagegen zu kämpfen, ist auch für uns Menschen überlebenswichtig.
PräzisionslandwirtschaftDie Landwirtschaft muss nachhaltiger und gleichzeitig effizienter werden. Bis 2050 braucht es weltweit bis zu 70 Prozent mehr Nahrungsmittel. In vielen Bereichen kommen neue Technologien wie Sensorsysteme, Roboter oder künstliche Intelligenz zum Einsatz. Diese überwachen die Kulturen, indem sie etwa Krankheiten früh erkennen. Das spart Pflanzenschutzmittel. Präzisionslandwirtschaft nutzt Ressourcen optimal und steigert so die Erträge. Diese Wirtschaftsweise kann umweltschonender sein als herkömmliche Landwirtschaft. Davon profitieren Bodenlebewesen und Gewässer. Mit der Digitalisierung verändert sich aber auch die Arbeit von Bäuerinnen und Bauern.
Technologien der Genom-Editierung verändern das Erbgut der Pflanzen. Mit der Genschere CRISPR-Cas9 lassen sich gezielt Gene in die DNA einfügen oder entfernen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Pflanzenzucht. Solcherart gentechnisch veränderte Pflanzen widerstehen Trockenheit oder Krankheiten, enthalten mehr Nährstoffe und sind lagerfähiger. Es stellen sich aber grundsätzliche Fragen: Wie weit darf der Mensch in die Natur eingreifen? Was sind die Folgen? Darauf müssen Gesellschaft, Wissenschaft und Politik Antworten geben.
Lagerung
Ein einfacher Weg, die Ernährungslage sicherer zu machen, sind beständige Lagerbehälter. Denn ohne gute Lagerung verdirbt in armen Gegenden oft ein Drittel der Ernte. Luftdicht verschliessbare Säcke erhöhen nicht nur die Selbstversorgung, sondern machen Landarbeitende auch unabhängiger: Sie können freier entscheiden, wann und zu welchem Preis sie ihre Ernte verkaufen.
Spenden – eine moralische Pflicht
Aus moralischer Sicht sollten wir uns alle gegen Hunger engagieren. Die meisten von uns könnten etwas Geld dafür einsetzen. Hunderte Millionen Menschen sind unterernährt und haben keine medizinische Versorgung. Eine Spende bewirkt in armen Ländern mehr als in reichen. Bereits wenig Mittel verbessern die Lebensbedingungen Einzelner. Private Hilfswerke entbinden die Staaten nicht von ihrer Verantwortung. Sie zeigen, wo es an Geld fehlt und was die Bevölkerung braucht. Es gilt, Organisationen zu unterstützen, die ihre Mittel sinnvoll einsetzen und gut kontrollieren, um nicht der Korruption Vorschub zu leisten.
